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Wenn das Grosi, nicht nur das Grosi ist.

Für mich war das Grosi der Fels in der Brandung, wenn es zu Hause stürmte, die Kraft der Eltern nicht mehr reichte und ein Ort, an dem ich für mich Platz fand.

Auch das Grosi war öpemau streng und lies uns nie vergessen, dass wir schätzen sollten, was wir haben und die Welt und das Leben nicht immer grosszügig sind.

Umarmungen gab es selten, doch die Liebe kam mit einem Coupe Chantilly zum TV-Programm, der Vanilleglace mit heissen Beeren am Sommerabend oder dem Guetnachtliedli inkl. Bettmümpfeli.

Das Bahnwärterhüüsli meiner Grosseltern war mein munzig kleines Bullerbü. Ein Rittigampfi an der Teppichstange, das Velo von der Müllhalde vom Grossvater geflickt, der Schopf ein riesiger Werkzeugkasten, zum Zmorge ein Ei direkt aus dem Hühnerbett und ein Hund der seinen Job als Bewacher etwas zu ernst nahm.

Am meisten vermisse ich vom Grosi die Erzählungen von damals, als sie den zweiten Weltkrieg erlebte, sie mit dem Grossvater ihre Liebe zwischen Beeren und Wandern zelebrierte oder als sie mit dem Töffli über die Berge gefahren ist und dem strengen Alltag einer jungen Frau entfliehen wollte.

Das Grosi wollte immer selbständig bleiben, irgendwann einfach zu Hause einschlafen und nicht mehr erwachen.
Die Diagnose Krebs hat sie im Frühling 2022 niemandem gesagt, selbstbestimmt hat sie sich mit 93 Jahren für ihr Lebensende entschieden.

Die Dokumente Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag und Bestattungsvorsorge inkl. aktueller Adressliste hatten wir seit vielen Jahren vorbereitet.

Am 10.09.2022, als das Grosi in der Nacht nach wenigen Tagen palliativ Pflege gestorben ist, konnten wir den feinsäuberlich parat gestellten Ordner mit allen Unterlagen der Bestatterin übergeben.

Wir durften einfach traurig sein, in Erinnerung verweilen und uns an dem freuen was für immer im Herzen bleibt.

Danke Grosi für alle guten Zeiten und für die weniger guten, in denen ich von dir lernen durfte, dass manchmal der Kopf dem Herzen Platz machen muss.

14.09.2025